Die Schweiz lockt mit hohen Gehältern und hoher Lebensqualität. Doch wer aus Deutschland in die Schweiz wechselt, sollte sich auch über die Unterschiede bei den Arbeitsbedingungen im Klaren sein. Einige Aspekte sind überraschend – und nicht alle davon positiv. Ein ehrlicher Überblick hilft Ihnen, Erwartungen zu kalibrieren und gut vorbereitet in den neuen Job zu starten.
In der Schweiz beträgt die vertraglich übliche Arbeitszeit 40 bis 44 Stunden pro Woche. Damit liegt die Schweiz deutlich über dem deutschen Standard von 37 bis 39 Stunden. In Frankreich sind es sogar nur 35 Stunden. Die längeren Arbeitszeiten spiegeln die hohe Produktivitätserwartung in der Schweiz wider. Überstunden können in vielen Unternehmen anfallen und werden oft durch Freizeit oder Vergütung ausgeglichen – eine klare Regelung dazu sollten Sie vor Vertragsunterzeichnung erfragen.
Mit durchschnittlich 20 bis 25 Urlaubstagen pro Jahr haben Arbeitnehmer in der Schweiz weniger Ferien als in Deutschland (25–30 Tage) oder Österreich. Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt in der Schweiz vier Wochen – also 20 Arbeitstage. Viele Arbeitgeber gewähren freiwillig fünf Wochen, insbesondere für erfahrene Fachkräfte. Die effektive Erholungszeit ist also geringer als in Deutschland – ein Faktor, den viele Zuwanderer unterschätzen.
Die Kündigungsfrist in der Schweiz beträgt in der Regel drei Monate – deutlich weniger als die bis zu sechs Monate, die in Deutschland üblich sind. Das bedeutet mehr Flexibilität auf beiden Seiten, aber auch weniger Sicherheit bei unerwarteten Kündigungen. Dazu kommt: Eine gesetzliche Abfindungspflicht gibt es in der Schweiz nicht. Während in Deutschland ein Monat pro Beschäftigungsjahr als übliche Abfindung gilt, bleibt bei einer Kündigung in der Schweiz in der Regel keine finanzielle Entschädigung. Umso wichtiger sind persönliche Ersparnisse als Puffer.
Wer aus Österreich in die Schweiz wechselt, vermisst möglicherweise das 14. Monatsgehalt – das gibt es in der Schweiz nicht. Dafür ist das monatliche Grundgehalt in vielen Branchen deutlich höher. Auch vermögenswirksame Leistungen, bei denen der Arbeitgeber Zuschüsse zu bestimmten Sparformen leistet, sind in der Schweiz nicht gesetzlich vorgesehen. Für die Altersvorsorge gibt es jedoch das gut ausgebaute Drei-Säulen-System der Schweiz mit obligatorischer Pensionskasse (BVG).
Ein wesentlicher Unterschied zu Deutschland betrifft die Krankenversicherung: In der Schweiz ist die Krankenkassenprämie vollständig vom Arbeitnehmer selbst zu tragen – der Arbeitgeber beteiligt sich in der Regel nicht. In Deutschland hingegen teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Krankenversicherungsbeiträge je zur Hälfte. Die monatlichen Prämien in der Schweiz liegen je nach Kanton und Versicherer bei 300 bis 500 CHF – ein Posten, den Sie unbedingt in Ihre Lohnplanung einbeziehen sollten.
| Aspekt | Schweiz | Deutschland |
|---|---|---|
| Wochenarbeitszeit | 40–44 Stunden | 37–39 Stunden |
| Urlaubstage/Jahr | 20–25 Tage | 25–30 Tage |
| Kündigungsfrist | 3 Monate | Bis zu 6 Monate |
| Gesetzliche Abfindung | Keine | 1 Monat/Beschäftigungsjahr (üblich) |
| 13./14. Gehalt | Kein 14. Gehalt | Kein 14. Gehalt |
| Krankenkasse Arbeitgeberanteil | Keiner | 50 % vom AG |
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